Im Meininger Archiv konnte man nachlesen, dass in unserem Haus ein Buchdrucker 1675 eine Druckerei gründete. Hier heißt es: „8.1.1675 - Nicolas Hassert erhält die Genehmigung des Buchhandels mit dem Privileg zur Errichtung einer Druckerei“. Vom Gutenberg-Museum in Mainz erreichte uns diese Nachricht: (aus Benzing, Josef: Die Buchdrucker d. 16. u. 17. Jh. im dt. Sprachgebiet, 1982) „Nicolas Hassert 1675 -1723 aus Berka an der Werra, studierte zuerst in Gießen, wo er bei einem Drucker wohnte und bei ihm auch eine Lehre machte. Dann war er Geselle bei Anton Utz dort (1669), später in Gotha. Am 12.10.1674 kam er an Herzog Ernst 1. von Sachsen-Gotha um Genehmigung zur Errichtung einer Druckerei in Meiningen ein, wozu er am 8.1.1675 ein Privileg erhielt. Seine Druckereinrichtung besorgte er sich von Johann Günther Rörer in Eisenach. Am 18.2.1723 ging das Privileg an seinen Sohn und Nachfolger Jonas Christoph über.“
Seit Gutenberg druckte man jahrhundertelang mit beweglichen Lettern. Das heißt, man setzte einzelne Buchstaben von Hand zu Wörtern und Sätzen, zu Zeilen und ganzen Seiten zusammen. Den fertigen umbrochenen Bleisatz, natürlich spiegelverkehrt zu lesen, färbte man ein, legte einen Papierbogen darüber und druckte die Seite auf einer Maschine, die viel Ähnlichkeit mit einer alten Weinpresse hatte. Seitdem wurde im 2. Stadtbezirk im Haus Nr. 44 in der Klostergasse 180 gedruckt.



Archiv:
1855 – Langegasse/Klostergasse 180, Besitzer: Hofbuchdrucker´s Erben, Karl Keyßner Drucksachen: u.a. das Meininger Regierungsblatt
Als Keyßner´sche Hofbuchdruckerei diente sie nun auch dem Herzoglichen Hause. 1874 brannte die Stadt bis kurz vor die Druckerei nieder. Somit ist der Straßenzug ab dem Büchner´schen Hinterhaus in Richtung Hotel „Sächsischer Hof“ einer der wenigen Komplexe mit historischer Bebauung. Danach bekam das Geschäft die Hausnummer 2.
Nach baulichen Veränderungen 1899 übergab der Hofbuchdrucker Karl Keyßner die Geschäfte 1900 seinem Sohn Fritz Keyßner. Zu dieser Zeit verkaufte man das Eckhaus Klostergasse/Langegasse, jetzt Ernestinerstraße und baute auf dem Hinterhof des Grundstücks einen neuen Maschinensaal. Gleichzeitig wurde die Technik erneuert. 1938 gibt der neue Inhaber und Hausbesitzer Karl W. Gerig dem Gewerbeamt bekannt Geschäftsdrucksachen, Vereins- und Familiendrucksachen herzustellen. 1941 wurden neben Akzidenzen die „Thüringer Tageszeitung“ produziert. Auch wenn die einzelnen Bleizeilen mit aufwendig konstruierten Setzmaschinen gegossen wurden, so war dies ein Fortschritt gegenüber dem Handsatz mit einzelnen Bleilettern. 1942 erfolgte die zweigeschossige Aufstockung der Druckerei. 1948 und 1958 der Umbau zur Geschäftsstellen Druckerei „Thüringer Volk“. So wurde stets und ständig um- und ausgebaut bis zum heutigen Tag. Schon damals wurde auf Heidelberger Eintourenzylinderautomaten und dem berühmten Heidelberger Tiegel gedruckt. Er erfüllt noch heute seine Pflicht.
Mit der Aufstellung einer ADAST Einfarbendruckmaschine hielt ab 1987 der Offsetdruck Einzug in Meiningen. Die Satzherstellung über Bleisatzumdruck war noch umständlich und materialintensiv. Erst mit der photochemischen Herstellung der Druckplatten konnten die herkömmlichen Techniken vereinfacht werden. 1990 stand die erste Zweifarben-Offsetmaschine von MAN-Roland im Haus. Mit dieser Maschine konnte das Meininger Druckhaus in der Marktwirtschaft bestehen. Gleichzeitig wurden erste Schritte getan den Fotosatz einzuführen. Nur ein Jahr später stand der erste Apple Macintosh Computer im Stempel-Service.
Ab 1999 erlebten wir mit dem Einsatz einer Vierfarben-Speedmaster von Heidelberg die nächste Generation des Offsetdrucks. Seit 2000 gewährleistet der Heidelberg-Stahlfolder flexible und vielseitige Falztechniken vom Altar- bis Zickzackfalz. Um vom Computersatz bis zum Druck den digitalen Workflow realisieren zu können, ergänzten wir im Jahr 2001 unsere Produktion mit dem Plattenbelichter von Screen. Diese direkte Bebilderung lässt die Ansprüche auf höchste Passergenauigkeit erfüllen. 2002 ersetzten wir den seit 1970 im Einsatz befindlichen Sammelhelfter durch den Valore von Müller-Martini. Damit können wir in schneller Folge unterschiedliche Aufträge bearbeiten. Durch das Heranziehen eigener Fachkräfte sind wir in der Lage die immer komplizierteren Anlagen zu beherrschen. Unsere Kunden profitieren von aktuellen Zustand unserer Technik.